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Die Taktik für die mündliche Steuerberaterprüfung

Welche Taktik du für Fragerunden in der mündlichen Steuerberaterprüfung unbedingt kennen solltest

Und wie du aktiv Einfluss auf das Prüfungsgespräch nimmst, um dein Bestehen sicherzustellen

Taxpeer Team

Taxpeer Team

4min

Im mündlichen Steuerberaterexamen wirst du nicht einfach „abgefragt“.
Du wirst geführt, beobachtet und eingeordnet. Mehrere Fragerunden, wechselnde fachliche Schwerpunkte, Prüfung im Kreis mit weiteren Kandidat*innen – all das erzeugt schnell das Gefühl:

Die Fragen sind komplex, die Zeit ist knapp und ich stehe ständig unter Druck.

Genau hier entscheidet sich, wer besteht und wer trotz guter Vorbereitung scheitert.

Die wichtigste Grundregel: Springe niemals direkt auf das Ergebnis

Einer der häufigsten – und folgenreichsten – Fehler in der mündlichen Steuerberaterprüfung ist dieser:

👉 Prüflinge versuchen, möglichst schnell das „richtige Ergebnis“ zu liefern.

Das wirkt logisch. Ist es aber nicht. Die Prüfungskommission interessiert sich nicht primär dafür, dass du ein Ergebnis kennst, sondern wie du dorthin gelangst.

Warum das Ergebnis allein gefährlich ist

  • Du kannst Details der Fragestellung überhören

  • Du nimmst Prüfer*innen die Möglichkeit, dich positiv „abzuholen“

  • Du wirkst hektisch oder unsauber in der Herleitung

Viel sicherer und deutlich besser bewertet, ist ein anderer Ansatz.

Die sichere Taktik: Immer mit den Basics beginnen

Wenn du eine Frage erhältst, starte niemals mit dem Ziel, sondern mit dem Weg:

  • Einordnung des Sachverhalts

  • Prüfungsschritte benennen

  • erste rechtliche Anknüpfungspunkte

Das hat mehrere Vorteile:

  • Du sammelst sofort sichere Punkte

  • Prüfer*innen sehen deine Struktur

  • Unterbrechungen werden zu deinem Vorteil

Konkretes Praxisbeispiel aus der Prüfung

Frage:
Ist die Bekanntgabe eines Einkommensteuerbescheids an den Erben wirksam, wenn der Steuerpflichtige verstorben ist? Sein Steuerberater hatte Jahrzehnte lang eine Empfangsvollmacht.

Viele Prüflinge springen reflexartig auf die Bekanntgabe nach § 122 AO, um ein schnelles Ergebnis zu präsentieren.

Besser und deutlich souveräner ist zum Beispiel:

Zunächst würde ich prüfen, ob die dem Steuerberater erteilte Vollmacht über den Tod hinaus wirksam geblieben ist.

Sehr häufig wirst du genau hier bereits unterbrochen und die Frage geht an den nächsten Prüfling.

👉 Ergebnis:
Du hast Struktur gezeigt, ohne dich festzulegen oder angreifbar zu machen.

Falls die Prüfung weiterläuft und du die konkrete Norm zur Vollmacht nicht parat hast, ist das kein Problem:

  • Du kannst ankündigen, im Gesetz nachzuschauen

  • Inhaltsverzeichnis und Stichwortsuche sind legitim

  • ein kurzer Hinweis auf deine digitale Suchlogik im Arbeitsalltag („Vollmacht AO“) zeigt Systemverständnis

Rückfragen sind kein Zeichen von Schwäche – sondern von Stärke

Ein weiterer unterschätzter Hebel sind gezielte Rückfragen an die Prüfer*innen.

Warum?

  • Mündliche Sachverhalte sind nie vollständig

  • dieselbe Ausgangsfrage kann bewusst in unterschiedliche Richtungen führen

  • Rückfragen zeigen Aufmerksamkeit, nicht Unsicherheit

Ein kurzer Klärungssatz wie:

Darf ich noch kurz nachfragen, ob es ein Erbe oder eine Erbengemeinschaft ist?

kann den gesamten Prüfungsverlauf verändern.

Fragerunden der mündlichen Steuerberaterprüfung

Dein zweiter großer Hebel: Aktives Mitdenken, auch wenn du nicht dran bist

Viele Prüflinge schalten gedanklich etwas ab, sobald ein Mitprüfling antwortet.
Das ist ein Fehler.

👉 Deine größte Denkzeit hast du, wenn der Ball gerade nicht bei dir liegt.

Nutze sie strategisch:

  • Überlege, welche angrenzenden Themen zu deinen Stärken zählen

  • Beobachte, in welche Richtung sich das Gespräch entwickelt

  • plane mögliche Überleitungen

Beispiel für geschickte Gesprächslenkung

Im oben genannten Fall (Tod des Steuerpflichtigen):

  • Überleitung ins Erbrecht über die Gesamtrechtsnachfolge § 1922 BGB oder zur Erbengemeinschaft § 2032 BGB

  • kurzer Hinweis auf die Möglichkeit der Erbausschlagung § 1944 BGB

  • oder – wenn deine Stärke woanders liegt – Wechsel in die Umsatzsteuer

Zum Beispiel:

Durch die Gesamtrechtsnachfolge übernimmt der Erbe auch laufende steuerliche Pflichten, etwa im Bereich der Umsatzsteuervoranmeldungen.

👉 So lenkst du das Gespräch unauffällig in dein Kompetenzfeld.

Fachwissen allein reicht nicht – Abrufbarkeit entscheidet

Das beste Wissen nützt dir nichts, wenn du es am Prüfungstag nicht abrufen kannst. Die entscheidende Voraussetzung dafür ist mentale Frische. Sie sorgt für deine geistige Beweglichkeit, saubere Herleitungen sowie ruhige Reaktionen auf Rückfragen.

Ein starker Einstieg – insbesondere über den Kurzvortrag – setzt dabei die Marschrichtung für den gesamten Tag.

Wie du deinen Vortrag strategisch zum Vorteil nutzt, haben wir in einem eigenen Beitrag detailliert dargestellt.

Intelligente Vorbereitung schlägt Selbstaufopferung

So wichtig die Vorbereitung auf das mündliche Examen ist – sie funktioniert nur mit dem richtigen Ausgleich.

Die zentralen Säulen sind insbesondere ausreichend Schlaf, bewusste Pausen inklusive Bewegung an der frischen Luft sowie Sport und/oder Meditation.

Gerade kurz vor der Prüfung wirkt es verlockend, jede Erholung zu streichen und „noch mehr zu lernen“. Das ist jedoch kontraproduktiv.

👉 Es geht nicht darum, dich aufzureiben, sondern dich in den optimalen Zustand zu bringen.

Oder anders gesagt: Du sollst nicht die Leidensgeschichte der schriftlichen Steuerberaterprüfung nachspielen, sondern im mental besten Zustand in die mündliche Steuerberaterprüfung gehen.