Die Angst vorm Durchfallen nach dem schriftlichen Steuerberaterexamen
Warum die Sorge des Nichtbestehens mit jedem Tag nach der Prüfung zunimmt – und weshalb das völlig normal ist
Das schriftliche Steuerberaterexamen liegt hinter dir. Drei Tage Ausnahmezustand, monatelange Vorbereitung, maximale mentale und körperliche Belastung – und jetzt: Leere.
Was viele Prüflinge in dieser Phase unterschätzen, die eigentliche psychologische Herausforderung beginnt oft erst nach der Klausur.
Nach der Prüfung ist vor dem emotionalen Tief
Nach dem Examen im Oktober bleiben die Steuergesetze bei den meisten Kandidat*innen zunächst geschlossen. Und das ist auch gut so.
Du hast dich über Monate hinweg intensiv vorbereitet, häufig bis an die Grenzen deiner Belastbarkeit – teilweise darüber hinaus. In der Freistellungsphase wurden private Termine gestrichen, soziale Kontakte minimiert und jede freie Minute dem Ziel „Bestehen der Steuerberaterprüfung“ untergeordnet.
Dann kamen sie, die drei entscheidenden Tage, an denen du noch einmal alle Reserven mobilisiert hast.
Erholung? Fehlanzeige.
Da die Urlaubstage vollständig für die Freistellung verbraucht wurden, geht es oft schon am Freitag nach der letzten Klausur zurück in den Arbeitsalltag.
👉 Genau hier liegt ein entscheidender Punkt, der langfristig über dein Wohlbefinden – und mittelbar auch über deine Erfolgschancen – entscheidet.
Warum bewusste Erholung kein Zeitverlust ist
Nach dieser intensiven Phase ist es nicht nur erlaubt, sondern dringend empfehlenswert, sich gezielt Auszeiten zu nehmen:
ein freies Wochenende ohne Steuerrecht
ein Treffen mit Freund*innen
ein Stadionbesuch
ein Spieleabend oder einfach Zeit für dich
Tu das, was dir persönlich Energie zurückgibt.
Viele Prüflinge haben dabei Angst, wertvolle Zeit für die Vorbereitung auf die mündliche Steuerberaterprüfung zu verlieren. Diese Sorge ist unbegründet.
Ausgeruht Mitte oder Ende November zu starten ist deutlich effektiver, als ausgelaugt ab Mitte Oktober weiterzumachen.
Das mentale Loch nach der schriftlichen Prüfung
Gefühlsmäßig fallen viele Kandidatinnen nach der schriftlichen Prüfung zunächst in ein Loch. Ein wesentlicher Verstärker dafür ist der Austausch mit Lernbuddys oder Kolleginnen:
Drei Personen – fünf verschiedene Lösungen.
Alle Argumentationswege klingen plausibel.
Sicherheit entsteht dabei selten.
Je mehr Zeit vergeht, desto stärker verblassen konkrete Erinnerungen an einzelne Klausurteile. Gleichzeitig passiert etwas Psychologisch hoch Relevantes
Dein steuerliches Wissen nimmt spürbar ab
das Gefühl, „sicher bestanden zu haben“, schwindet
Zweifel werden lauter
Und genau hier entsteht die Angst vorm Durchfallen.
Warum dein Gefühl dich täuscht – und das völlig normal ist
Wichtig:
👉 Beides ist vollkommen normal.
Das nachlassende Sicherheitsgefühl
der gefühlte Wissensverlust seit Oktober
Dein steuerliches Wissen – sowohl in der Breite als auch in der Tiefe – erreicht unmittelbar vor der Prüfung seinen absoluten Höhepunkt. Danach nimmt es zwangsläufig ab. Nicht, weil du ungeeignet bist. Sondern weil du nicht mehr täglich mehrere Stunden alle Prüfungsgebiete parallel trainierst.
Besonders tückisch ist dabei ein Wahrnehmungseffekt:
Die unzähligen „Fußgängerpunkte“ (die vielen kleinen, sicheren Punkte) geraten schnell in Vergessenheit.
Die problematischen Stellen, an denen du gehadert hast, bleiben emotional präsent – und gewinnen mit jedem Tag gefühlt an Gewicht.
Das verzerrt deine Rückschau massiv.
Ein Vergleich aus dem Leistungssport
Stell dir eine Olympionikin im Zehnkampf vor.
Sie trainiert jahrelang hochintensiv, um bei den Olympischen Spielen ihre Bestleistung abzurufen. Nach den Spielen gönnt sie sich einen Regenerationsurlaub und konzentriert sich anschließend nur noch auf eine Disziplin.
Ein paar Wochen später hätte sie keine Chance, ihre persönliche Bestleistung im Zehnkampf zu wiederholen.
Nicht, weil sie schlechter geworden ist –
sondern weil das extrem ausgewogene, intensive Gesamttraining fehlt.
👉 Genau so verhält es sich mit deinem steuerlichen Wissen nach dem schriftlichen Steuerberaterexamen.
Fazit: Zweifel sind kein Zeichen des Scheiterns
Die Angst vorm Durchfallen nach dem schriftlichen Steuerberaterexamen ist kein Warnsignal – sie ist eine typische Begleiterscheinung einer extremen Leistungsphase.
Wer das versteht, kann:
gelassener mit den eigenen Gedanken umgehen
emotionale Tiefs besser einordnen
mit klarem Kopf und neuer Energie in die nächste Phase starten